Flo Maak

Flo Maak

silent specters

 

30. November 2006 – 13. Januar 2007

 

Mit silent specters präsentiert JET erstmals Arbeiten von Flo Maak.

Die stillen Gespenster der Ausstellung sind die der Geschichte und der Subjektwerdung. Jedoch sind sie nur scheinbar still, tatsächlich spuken sie unaufhörlich. Da aber die Versuche mit ihnen Kontakt aufzunehmen zumeist scheitern, folgt Flo Maak der Hoffnung, ihnen durch Bilder zu begegnen, was im besten Falle heißen kann, den Ort zu bestimmen, von dem aus sie uns anblicken.

 

Die von magischem Licht durchdrungene Fotografie von ineinander geschobener und durch Stoffstreifen verbundener Stühle ist, wie die meisten Fotografien Flo Maaks, Dokument einer vorgefunden Situation. Zufällige Begegnungen im Alltag lassen in Maaks Arbeiten, zumeist in Fotografien festgehalten und durch räumliche Arrangements erweitert, den Verlust der Vergangenheit sichtbar werden, aber auch die Möglichkeit einer anderen, befreiten Wirklichkeit erscheinen. In Die Verbarrikadierung der Notausgänge durch ineinander geschobene Stühle verhindert wegen der Sicherheitsbestimmungen den weiteren Betrieb der Fahrstühle sind die Stühle ihrer ursprünglichen Funktion beraubt und scheinen für eine Neubestimmung bereitzustehen. Äquivalent dem Unvernehmen in der alltäglichen Kommunikation, wird die Notwendigkeit der Unterbrechung als notwendiger Schritt zu einem guten Leben deutlich, zugleich tritt die Ambivalenz und unbestimmte Bedrohung solcher Situationen hervor.

 

Das Bild einer erleuchteten Toilettenkabine ist die einzige inszenierte Fotografie in der Ausstellung. Sie ist Teil einer größeren Gruppe von Arbeiten, die sich mit öffentlichen Toiletten beschäftigen. Ihr Titel Die Tür geht zu, das Licht bleibt an unterstreicht sowohl die Funktion des Ortes als private Bedürfnisnische im Öffentlichen, als auch ihre Funktion als Normierungsinstanz der Zweigeschlechtlichkeit. Das ins Weiß aufbrechende Licht in der Fotografie enteignet den Ort von seiner vorgesehenen Funktion und eröffnet die Möglichkeit einer lustvollen Umnutzung.

 

Auf der Suche nach einer Urlaubsunterkunft finden sie zufällig ein Haus auf einem Hügel in der Nähe von Pompeij. Sie genießen den Ausblick aufs Meer und sprechen von toten Revolutionären und kommenden Revolutionen. Es stellt sich heraus, dass der verstorbene Besitzer der Villa Kommunist, Kunsthistoriker und ehemals prominenter Dozent für proletarische Fotografie war. Die vorangegangenen Sätze sind der Titel einer Installation, bestehend aus einer Fotografie, einem Objekt und einem Film. Die Fotografie entstand zufällig in einem Ferienhaus in Süditalien. Erst im Nachhinein entdeckte Flo Maak die Geschichte des verstorbenen Besitzers, Dr. Richard Hiepe, einem Kunsthistoriker und dem Herausgeber der marxistischen Kunstzeitschrift „tendenzen“, der aufgrund seiner Mitgliedschaft in der KPD nie eine Professur in Deutschland erhielt. Während Bild und Objekt den melancholischen Rest der verlorenen Geschichte ausstellen, nutzt der Film die ausgestellte Fotografie als einziges Material und unternimmt mit diesem einen Science-Fiction-haften Trip in die vergangene Zukunft.

 

Was am Ende der Ausstellung bleibt, ist der Verlust. Inmitten der Ausstellung steht am Boden ein kleinformatiges, schwarz gerahmtes Bild eines sich aus einem Schatten abzeichnenden Blumenstraußes, aus dessen verwelkter Mitte zwei Narzissen hervor sprießen. Diese Blumen erblühten, der Mythologie zufolge, nach dem Tod des schönen Jünglings Narziss, der, von seinem Spiegelbild im Wasser betört, sich selbst umarmen wollte und dabei ertrank. Die Spur der Melancholie, die jeder Mensch notwendig als Aufzeichnung des eigenen Werdens birgt, scheint sich in Narcissus (a rising star) auf unheimliche Weise zu verdichten.

 

 

 

Ausstellungsansichten Flo Maak